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GOTTES WORT - Das Wunder des Wortes Gottes
 Gottes letztes WortOder warum das Evangelium von Jesus Christus endgültige Rede

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Perspektive März - April 2017
Thema:
GOTTES WORT - Das Wunder des Wortes Gottes

Inhalt:


 

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• Gottes letztes Wort
• SOLA SCRIPTURA
• Warum offenbart sich Gott?

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Die Evangelien reichen nicht
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• Die Bibel - Gottes Wort oder Menschenwort?
• Die Bibel wieder neu lesen
• Kraft zur Veränderung
• Weil es geschrieben steht
Tagebuch (m)einer Bibel
• Gott spricht unsere Sprache

 

 


 

 

Gottes letztes Wort
Oder warum das Evangelium von Jesus Christus endgültige Rede ist

„Letzte Worte“ haben eine besondere Bedeutung. Oft sind sie das Vermächtnis dessen, der sie ausspricht. Ein letzter Wille, der unbedingt eingehalten werden muss. Wenn jemand sagt: „Das ist mein letztes Wort!“, dann will er damit sagen, dass das Gesagte seine letzte Aussage ist. Es gibt nichts mehr zu sagen oder zu verhandeln. Entweder nimmt man das an – oder man lehnt ab. Ein letztes Wort ist endgültig.
Ein solches „letztes Wort Gottes“ finden wir am Anfang des Hebräerbriefes. Die Zürcher-Übersetzung überschreibt die ersten Verse so:

„Eröffnung: Gottes endgültige Rede durch den Sohn“
„Nachdem Gott vor Zeiten vielfach und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hatte durch die Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben aller Dinge und durch den er die Welten geschaffen hat.
Er, der Abglanz seiner Herrlichkeit und Abbild seines Wesen ist, der das All trägt mit dem Wort seiner Macht, der Reinigung von den Sünden geschaffen hat, er hat sich zur Rechten der Majestät in den Höhen gesetzt, weit erhabener geworden als die Engel, wie er auch einen Namen geerbt hat, der den ihrigen weiter überragt.“ (Hebr 1,1-4, Zür)

Wir wissen nicht, wer den Hebräerbrief geschrieben hat. Wir wissen auch nicht genau, an wen er gerichtet ist. Klar ist aber, dass es eine judenchristliche Zielgruppe war, für die der Autor schreibt. Es waren Juden, die Christen geworden waren und dadurch im Leben manche Nachteile in Kauf nehmen mussten. Denn mit ihrer Bekehrung zu Jesus waren sie aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen. Manche von ihnen bekamen Zweifel. War ihre Bekehrung richtig gewesen? Sie fragten sich: Was haben wir von Jesus? Hatten wir vorher als Juden nicht auch alles Wichtige – auch ohne Jesus? Und was hat sich schon verändert? Man wartete darauf, dass die Macht und Herrlichkeit Jesu Christi auch öffentlich sichtbar wurde. Der Verfasser des Hebräerbriefes möchte seinen Lesern deshalb die Größe und Herrlichkeit von Jesus Christus neu vor Augen führen. Er will ihren Glauben stärken und fordert sie auf, ihr Vertrauen in Christus nicht aufzugeben (Hebr 10,35).

Auch wir fragen uns heute manchmal: Was haben wir von Jesus? Hat nicht das Judentum – und vielleicht sogar der Islam – alles, was zu einem Leben mit Gott nötig ist? Und warum wird so wenig sichtbar von der „überragenden Größe“ von Gottes Kraft und Herrlichkeit? (2Kor 4,7). Die Botschaft des Hebräerbriefes ist also hochaktuell.

Gott schweigt nicht, er redet
Zunächst weist der Autor darauf hin, dass Gott ein Gott ist, der nicht stumm ist – er hat geredet. Und zwar „vielfältig und auf vielerlei Weise“. Das unterscheidet ihn von anderen Göttern und Götzen, von denen sich Menschen Schutz und Reichtum erhoffen. Paulus spricht von „den stummen Götzenbildern“ (1Kor 12,2). Gott ist nicht stumm. Er ist kein ferner und distanzierter Beobachter, wie 2Mo 3,6-8 sehr deutlich beschreibt: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Der HERR aber sprach: Gesehen habe ich das Elend meines Volkes in Ägypten, und sein Geschrei wegen seiner Antreiber habe ich gehört; ja, ich kenne seine Schmerzen. Darum bin ich herabgekommen, um es aus der Gewalt der Ägypter zu erretten.“
Welch ein Gegensatz zum Weltbild des Atheismus, der keine übernatürliche Wirklichkeit kennt! Da „draußen“ ist niemand. Der französischer Biochemiker und Nobelpreisträger Jaques Monod beschreibt in seinem Buch „Zufall und Notwendigkeit“ die Folgen der atheistischen Evolutionstheorie für das Selbstverständnis des Menschen: „Wenn er diese Botschaft in ihrer vollen Bedeutung aufnimmt, dann muss der Mensch endlich aus seinem tausendjährigen Traum erwachen und seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen. Er weiß nun, dass er seinen Platz wie ein Zigeuner am Rande des Universums hat, das für seine Musik taub ist und gleichgültig gegen seine Hoffnungen, Leiden oder Verbrechen“ (S. 151).
Wie anders ist doch das Weltverständnis der Bibel. Wir haben einen Gott, der da ist („Ich bin“), der spricht, der sieht, der hört und unsere Nöte kennt. Und – der rettet (nach 2Mo 3,6-8, siehe oben). Gottes Werben um seinen Menschen – zunächst um sein Volk – war vielfältig und dauerhaft. Doch leider ohne bleibenden Erfolg. So klagt Gott in Jes 65,1-2: „Ich war zu erfragen für die, die nicht nach mir fragten; ich war zu finden für die, die mich nicht suchten. Ich sprach: Hier bin ich, hier bin ich! zu einer Nation, die meinen Namen nicht anrief. Ich habe den ganzen Tag meine Hände ausgebreitet zu einem widerspenstigen Volk, zu solchen, die auf dem Weg, der nicht gut ist, ihren eigenen Gedanken nachlaufen.“
Dieses Reden Gottes wurde aufgeschrieben. Es ist uns in der Bibel überliefert. Immer wieder hat Gott versucht, sein Volk zu sich zurückzurufen. Trotzdem hat Israel nicht gehört. Deshalb greift Gott zu drastischen Mitteln – er sendet seinen Sohn.

Gottes endgültige Rede durch Jesus
Gott hat „am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn“. Hier findet Gottes Reden seinen Höhepunkt. Hier hat er so deutlich zu uns Menschen gesprochen wie nie zuvor. Dieses Reden Gottes „am Ende“ hat eine besondere Qualität – es hat etwas Endgültiges. Die Luther und Zürcher Bibel überschreiben diese Verse auch genauso: „Gottes endgültiges Reden durch den Sohn“. Durch Jesus Christus redet Gott noch einmal auf besondere Weise. Dieses Reden ist nicht zu überbieten. Es ist endgültig. Dabei ist Jesus ist nicht nur Sprachrohr oder Bote wie die Propheten. Gott redet „im Sohn“, d. h. durch seine ganze Person. Der Sohn ist die Botschaft. Deutlicher kann Gott nicht werden. Deshalb ist dieses Reden auch endgültig. Es ist nicht zu überbieten. Darüber hinaus gibt es nichts Wichtiges mehr zu sagen.
Beachten wir das bei aller Diskussion um die Frage, ob Gott heute noch auf besondere (prophetische) Weise zu uns reden kann. Natürlich kann er das – wer wollte denn Gott vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat! Aber wir müssen auch ernst nehmen, was Gott hier im Hebräerbrief über sein eigenes Reden sagt: Das Reden im Sohn ist nicht mehr zu überbieten – alles andere bleibt dahinter zurück – und muss sich diesem endgültigen Reden Gottes unterordnen. Alles „persönliche Reden Gottes in unser Leben“ – z. B. durch Eindrücke oder Intuition – wird niemals dem widersprechen, was Gott ausdrücklich in seinem inspirierten Wort – der Bibel – sagt. Und für die meisten Situationen, in denen wir um die Führung Gottes ringen, hat er bereits etwas gesagt – in der Heiligen Schrift.

Der Erste und der Letzte
Warum ist das Reden Gottes im Sohn so bedeutend? Weil das Reden Gottes im Sohn das Größte ist, was Gott uns geben konnte. Der Sohn ist die ultimative Gabe – das größtmögliche Geschenk. Mehr kann Gott nicht geben (siehe auch Röm 8,32).
Das, was Jesus für uns getan hat, bekommt seine Bedeutung von dem, der es getan hat. Es geht hier also um das Wesen des Sohnes: Wer ist Jesus Christus? Unser Text sagt, dass Gott ihn „zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat“. Hier werden in wenigen Worten ganz fundamentale Dinge gesagt. Zunächst steckt der Autor des Hebräerbriefes einen „Zeitrahmen“ ab:
Jesus Christus ist „der Erbe aller Dinge“ – hier geht es um die Zukunft, die Ewigkeit: Alles, was existiert, wird ihm gehören. Auch wir Menschen – er hat ein Eigentumsrecht an uns!
„Durch ihn“ hat Gott „die Welten gemacht“ – hier geht es um den Anfang der Zeit, ja, um das, was vor der Zeit war. Jesus war vorher da – Jesus wird nachher da sein. Jesus ist ewig – Jesus ist Gott! Genau das sagt auch der Hebräerbrief: „Er, der Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und Abdruck seines Wesens ist.“ Die „Gute Nachricht“ übersetzt den V. 3 so: „Die ganze Herrlichkeit Gottes leuchte in ihm auf; in ihm hat Gott sein innerstes Wesen sichtbar gemacht.“ Und die NGÜ so: „Er ist das vollkommene Abbild von Gottes Herrlichkeit, der unverfälschte Ausdruck seines Wesens.“
Der Autor des Hebräerbriefes zeigt uns hier, dass Jesus ein Teil der Gottheit ist. Er war nicht nur ein Mensch – vielleicht ein bedeutender Mensch. In ihm starb nicht nur ein Mensch für die gute Sache. Am Kreuz starb einer, der Mensch und Gott zugleich war. Die Frage, wer Jesus Christus ist, ist entscheidend für den christlichen Glauben. Jesus war Gott und Mensch zugleich. Und es ist logisch, dass wir das nicht völlig verstehen können, denn menschliches Denken kann die Größe Gottes nicht erfassen – es kann sich nur annähern und ist auf Offenbarung angewiesen. Der, dessen Geburt wir Weihnachten feiern, war ein ganz besonderes Wesen: Das Kind in der Krippe ist der Schöpfer des Universums. In der Theologie nennt man dies die Lehre von der „Präexistenz Christi“ – Jesus war vorher schon da, bevor er auf diese Erde kam. Erst dies gibt allem, was danach kommt, seine Bedeutung.

Testfall Jungfrauengeburt
Diese Lehre ist aber heute hochumkämpft, mittlerweile sogar im christlichen, ja, im evangelikalen Bereich. So erschien in der Dezember-Ausgabe von „Christsein Heute“ ein Artikel mit dem Thema „Glaube ich an die ‚Jungfrauengeburt’?“ von Sebastian Rink, Pastor der FeG Siegen–Fischbacherberg. Er schreibt: „So unbestreitbar die ‚Jungfrauengeburt‘ auch heute als Glaubensaussage sinnvoll und bedeutsam ist, so ist es keine Überraschung, dass sie im 21. Jahrhundert als eine biologische Aussage unvernünftig und kaum mehr haltbar geworden ist. Zumindest für alle, die im fortpflanzungstechnischen Sinne ‚aufgeklärt‘ wurden“ (CH 12/2016, S. 11). Aber glauben wir wirklich, dass die Menschen zur Zeit des Neuen Testamentes so naiv waren, wie Rink hier suggeriert? Maria entgegnet dem Engel, der ihr die Geburt Jesu verkündigt, ja gerade biologisch-aufgeklärt: „Wie wird das geschehen?", fragte Maria. „Ich habe ja noch nie mit einem Mann geschlafen" (Lk 1,34, NeÜ). Wir Postmodernen denken manchmal, dass die Menschen des Altertums dumm und ungebildet waren. Aber es ist genau umgekehrt: Wir Postmodernen sind dumm ungebildet, weil wir nicht mehr wissen, was diese damals schon alles wussten. Wer von den Heutigen kennt denn noch die antiken Texte? Wer sie kennt, wird erstaunt feststellen, was damals alles schon gedacht wurde. Der englische Philosoph Whitehead hat einmal formuliert, dass die gesamte Philosophie aus Fußnoten zu Platon bestehe. Das heißt, die wichtigsten Themen waren damals schon gedacht. Wir wissen das aber heute nicht mehr. Wir meinen, die ersten Christen waren naiv und waren nicht „im fortpflanzungstechnischen Sinne ‚aufgeklärt‘“, wie Rink argumentiert.
Rink schreibt weiter: „Wir Christen und Christinnen glauben an Christus, nicht an ein Naturphänomen. Christusglaube entscheidet sich nicht an der ‚Jungfrauengeburt‘, sondern ausschließlich an Christus selbst.“ – Aber Christus ist doch nur Christus – der Messias –, wenn er von einer Jungfrau geboren wurde! Sonst wäre er nur Jesus – ein normaler Mensch. Denn das ist die Alternative, wenn man die Jungfrauengeburt leugnet! 
Wer den übernatürlichen Eintritt Jesu in diese Welt aufgibt, nimmt dem ganzen christlichen Glauben sein Fundament. Das ist keine Randfrage. Wenn Jesus nicht auf diese übernatürliche Weise auf die Welt gekommen ist, dann stammt er aus einer natürlichen menschlichen Blutlinie. Übrig bleibt nur der Mensch Jesus.
Rink schreibt weiter, dass es „nicht um biologische Fakten geht, sondern um eine Glaubenserzählung“. Natürlich ist das Kommen Jesu auf diese Welt viel mehr als Biologie – aber es ist auch nicht weniger. Die Bedeutung des Kommens Jesu, seiner Lehre, seines Lebens – die Christologie – hängt ganz an seinem übernatürlichen Eintritt in diese Welt. Wenn das biologisch-historisch falsch ist – dann kippt auch der ganze Überbau an Bedeutung. Wenn Jesus nur ein normaler Mensch war, dann war seine Lehre menschlich, vielleicht noch prophetisch, und sein Tod war der Tod eines Märtyrers. Wenn Jesus Christus nur Mensch gewesen wäre, kann er uns nicht erlösen! Man kann die Jungfrauengeburt nicht aufgeben und den Rest beibehalten. Das Geistliche steht auf dem historisch-biologischen Geschehen.
Unser Text spricht noch ein grundlegenderes Thema an. Dort wird nämlich gesagt, dass Gott durch Jesus „auch die Welten gemacht hat“ und dass Jesus „alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt“. Hier wird die Schöpfung (Vergangenheit) und Erhaltung (Gegenwart) dieser Welt durch Christus betont. In Vers 2 wurde schon gesagt, dass er „Erbe aller Dinge“ ist – hier geht es um die Vollendung der Welt (Zukunft). Jesus wird uns hier als der Schöpfer, Erhalter und Vollender des Universums vorgestellt. So etwas kann man nur von Gott sagen.

Glauben Sie noch an die Schöpfung?
Ich kann mich noch erinnern: In meiner Jugendzeit haben wir leidenschaftlich über das Thema „Schöpfung oder Evolution“ diskutiert. Heute scheinen sich viele Christen mit der Evolution arrangiert zu haben. Aber geht das wirklich: Kann man an Jesus als Erlöser glauben, ohne an die Schöpfung zu glauben?
Es gibt die beiden großen Weltbilder: den Naturalismus und den Supranaturalismus. Man könnte auch von der darwinistischen Evolutionslehre und dem monotheistischen Schöpfungsglauben reden – aber das ist sehr vereinfachend.
Der Naturalist glaubt, dass es nur Natur gibt – Materie – und nichts darüber hinaus. Alles ist ein großes, natürliches System aus Materie. Die Physik ist die Leitwissenschaft, die alles erklären kann. Denn alles hängt nach dem Ursache-Wirkungs-Schema miteinander zusammen (Kausalität). Deshalb kennt dieses Denken eigentlich auch keine Freiheit.
Der Supranaturalist – z. B. der Christ – glaubt, dass es zwar eine Natur gibt, in der vieles nach Ursache und Wirkung geschieht, dass es aber noch eine Wirklichkeit außerhalb der Natur gibt: Gott, der die Natur geschaffen hat und auch in die Natur eingreifen kann, z. B. durch eine Jungfrauengeburt oder durch Wunder.
In diesem Sinn kann ein Christ niemals ein Naturalist sein, denn ein Christ muss an die Existenz Gottes glauben, sonst ist er kein Christ. Auch das sagt der Hebräerbrief: „Wer zu Gott kommen will, muss (!) glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn aufrichtig suchen“ (Hebr 11,6, NeÜ).
Ein Christ muss glauben, dass es Gott gibt und dass Gott eingreifen kann. Es geht um die Existenz und Wirksamkeit Gottes. Ein Christ kann kein Naturalist sein – diese beiden Weltanschauungen schließen sich aus.
Nun gibt es Christen, die den Entwicklungsgedanken der Evolution in ihren Schöpfungsglauben übernehmen – man nennt dies u. a. „theistische Evolution“. Ob das sinnvoll ist, können wir hier nicht diskutieren. Ich will an dieser Stelle nur deutlich machen, dass ein Christ an einen Schöpfer außerhalb der Natur glauben muss – sonst ist er kein Christ. Gerade der Hebräerbrief bringt die Erlösung und die Schöpfung durch Christus ganz nah zusammen. Auch Paulus betont den Gedanken der Schöpfertätigkeit Jesu an verschiedenen Stellen. Er reagiert damit auf eine Irrlehre der damaligen Zeit, die Gnosis, die besagte, dass das Wesentliche geistlich und nicht natürlich-leiblich sei.
Nun müssen wir zugeben, dass viele Wissenschaftler überzeugte Naturalisten sind, aber nicht alle. Und die naturalistische Evolution hat ein großes Problem: Sie kann das Mentale – Geist, Würde, Werte, Wahrheit, Freiheit usw. nicht erklären.
Dieses Problem wird als so groß angesehen, dass der renommierte Philosoph Thomas Nagel in seinem Buch „Geist und Kosmos“ von 2012 (Suhrkamp) behauptet, dass der materialistische Darwinismus „so gut wie sicher falsch ist“ (so der Untertitel der deutschen Ausgabe). Nagel ist kein Christ, erst recht kein Kreationist. Er will aber die Grenzen „für die Reichweite der physikalischen Wissenschaften“ (S. 27) aufzeigen. Er glaubt nicht an die „Reduzierbarkeit des Geistigen auf das Physikalische“ (S. 27). Er behauptet sogar: „Ich würde darauf wetten wollen, dass der gegenwärtige Konsens, was zu denken richtig ist, in einer oder zwei Generationen lachhaft wirken wird.“
Wir haben hier ein „großes Fass“ aufgemacht. Hier kann man sehr viel überlegen und diskutieren. Z. B. dass die Gedanken einer „Entwicklung“ und einer „Schöpfung“ keine Gegensätze sind. Ich meine, dass es wirkliche Beweise gegen die Wahrheit der Bibel – z. B. der Schöpfung – nicht gibt. Auch viele der „wissenschaftlichen Tatsachen“ beruhen auf Annahmen – Glaubensaussagen –, die zur jeweiligen Zeit für wahr gehalten werden. Es bleiben viele Fragen offen.
Von unserem Text her ist festzuhalten: Jesus ist der Erste und der Letzte – alles beginnt und endet mit ihm.
Noch ein letzter Gedanke aus unserem Text. Er wirkt wie ein kurzer Einschub, ist aber von großer Bedeutung: Jesus hat „die Reinigung von den Sünden bewirkt“ (V. 3)

Das Evangelium: Eine Botschaft, die die Welt verändert
Hier kommen wir zum Zentrum des christlichen Glaubens, dem Evangelium, das nach Paulus „Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden“ ist (Röm 1,16). „Bei niemand anderem ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist uns Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden können“, sagt Petrus (Apg 4,12, NGÜ).
Jesus Christus und sein Werk sind das letzte Wort Gottes. Es gilt jedem Menschen in jedem Volk der Erde. „Gott (hat) uns ewiges Leben gegeben, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht“ (1Jo 5,11f.). Diese Botschaft gilt jedem Menschen und jeder Volksgruppe.
Die EKD hat das am 9. November 2016 auf ihrer 12. Synode in Magdeburg relativiert: Sie hat der Judenmission – und damit den Messianischen Juden – eine Absage erteilt. Sie sagt in ihrer Erklärung: „Christen sind – ungeachtet ihrer Sendung in die Welt – nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen. Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.“
Paulus, selbst Jude, schreibt im Römerbrief sogar, dass das Evangelium „dem Juden zuerst“ gilt (Röm 1,16). Das letzte ultimative Reden Gottes in seinem Sohn gilt jedem Volk und jedem Menschen. Auch der Auftrag Jesu ist klar: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern ... !“ (Mt 28,19). Der Anspruch Jesu ist universal – und damit auch die Mission: Sie gilt jedem Menschen aus jedem Volk – ohne Ausnahmen.
Wenn wir hier ein Volk – die Juden – herausnehmen, dann geben wir damit den Absolutheitsanspruch Jesu de facto auf. Warum dann nicht auch auf Mission unter Moslems verzichten (wie die Ev. Kirche im Rheinland ja vorgeschlagen hat)?
Dass Mission und Evangelisation immer „mit Sanftmut und Ehrerbietung“ (1Petr 3,16) geschehen sollen, ist klar und gilt grundsätzlich. Dass wir Deutschen mit unserer Vergangenheit dieses Zeugnis Juden gegenüber besonders demütig und feinfühlig geben müssen, ist meines Erachtens auch klar.
Aber wenn Jesus der einzige Weg zu Gott ist, wäre es fahrlässig, dies irgendeinem Menschen zu verschweigen – auch wenn er Jude ist.
Ralf Kaemper
 

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