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GOTT wird Mensch
An Weihnachten feiern wir das Kommen des Sohnes Gottes in unsere Welt. Gott wurde Mensch in Jesus

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PERSPEKTIVE November - Dezember 2017
Thema:
GOTT wird Mensch

Inhalt:


 

img/pp_grundlayout_07.jpgAUS DER PRAXIS


img/pp_grundlayout_07.jpgAKTUELLES


img/pp_grundlayout_07.jpgDENKEN

• Geboren von der Jungfrau Maria
• Jesus als Junge
• Jesus Christus: Wahrer Mensch und wahrer Gott
Jesus, der Ewige

img/pp_grundlayout_07.jpgGLAUBEN

Keine Lösung in Sicht - bis Jesus Christus kommt
• Durch eine Frau...
• Mit treffsicherer Genauigkeit
• Die kürzeste Strecke
• Er weiß, wie es uns geht
• Mein Herr und mein Gott

 img/pp_grundlayout_07.jpgGESELLSCHAFT

• 

img/pp_grundlayout_07.jpg LEBEN
• Der Junge, der Gott sah

 

 


 


An Weihnachten feiern wir das Kommen des Sohnes Gottes in unsere Welt. Gott wurde Mensch in Jesus Christus. Das Besondere an dieser Geburt – und damit dem Weihnachtsfest – war die übernatürliche Zeugung durch den Heiligen Geist. Maria war Jungfrau, als sie Jesus empfang. Ein Wunder! Doch genau das wird heute immer stärker hinterfragt, auch bei Christen. Aber wenn die Jungfrauengeburt nicht stattfand, hat das große Konsequenzen für den christlichen Glauben.


Geboren von der Jungfrau Maria
Warum die Jungfrauengeburt so wichtig ist

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es zur Person unseres Herrn: Ich glaube „an Jesus Christus ... empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“.
Die frühen Christen fanden die Frage der Jungfrauengeburt so wichtig, dass sie Eingang in eines der wichtigsten Glaubensbekenntnisse des Christentums fand, zu dem sich Christen aller Zeiten bekannt haben. Jesus wurde nicht auf natürliche Weise empfangen und geboren, sondern durch den Heiligen Geist und durch eine Jungfrau. Darauf baut alles Weitere auf: gelitten, gekreuzigt, gestorben, auferstanden, aufgefahren in den Himmel, zur Rechten Gottes, seine Wiederkunft.
Auch wenn es bei der Jungfrauengeburt „nur“ um den Eintritt in diese Welt geht, ist dies enorm wichtig. Meine These in diesem Artikel ist: Wenn wir diesen übernatürlichen Eintritt unseres Herrn in unsere Welt ablehnen oder umdeuten, fällt alles, was darauf folgt, in sich zusammen und wird bedeutungslos. Und: Es widerspricht den klaren Aussagen der Heiligen Schrift.

Fortpflanzungstechnisch unaufgeklärt?
Nun ist der Gedanke der Jungfrauengeburt umstritten – damals wie heute – und nicht nur unter Religionsgegnern. Vor etwa einem Jahr gab es eine Diskussion um das Thema in der Zeitschrift „Christsein heute“ der Freien evangelischen Gemeinden (FeG). Ein Artikel hatte die Jungfrauengeburt infrage gestellt und als Nebensächlichkeit erklärt. Dem wurde jedoch deutlich widersprochen – auch von der Leitung des Bundes der FeGs.
Trotzdem sind die Argumente gegen die Jungfrauengeburt aktuell. Schauen wir uns deshalb einmal an, wie der Autor Sebastian Rink, Pastor der FeG Siegen-Fischbacherberg, seine Position begründet. Er schreibt: „So unbestreitbar die ‚Jungfrauengeburt‘ auch heute als Glaubensaussage sinnvoll und bedeutsam ist, so ist es keine Überraschung, dass sie im 21. Jahrhundert als eine biologische Aussage unvernünftig und kaum mehr haltbar geworden ist. Zumindest für alle, die im fortpflanzungstechnischen Sinne „aufgeklärt“ wurden“ (CH 12/2016, S. 11-12).
Damit sagt der Autor – in meinen Worten: Die Jungfrauengeburt macht nur im Bereich des Glaubens Sinn; sie ist als historisch-biologische Aussage unvernünftig, ja, unhaltbar; wir sind heute fortpflanzungstechnisch aufgeklärt – die Menschen zur Zeit des Neuen Testaments waren das nicht.  
Aber das ist falsch! Maria entgegnet dem Engel, der ihr die Geburt Jesu ankündigt, ja gerade fortpflanzungstechnisch aufgeklärt: „Wie wird das geschehen? ... Ich habe ja noch nie mit einem Mann geschlafen" (Lk 1,34; NeÜ). Allein aus dieser Aussage wird klar: Die Menschen damals wussten, woher die Kinder kamen.

Die Antike wusste schon sehr viel
Dies scheint mir ein Hauptproblem vieler kritischer Positionen heute zu sein: Man nimmt an, dass wir heute viel mehr wissen und weiter sind als die Menschen damals. Das trifft sicher auf viele technische Details zu. Über die Grundfragen des Menschen jedoch wurde schon sehr früh nachgedacht. Deshalb sagt der englische Philosoph Alfred North Whitehead, dass die gesamte philosophische Tradition Europas „aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht“. Die großen philosophischen Fragen waren im 4. Jahrhundert vor Christus schon alle gedacht. Z. B.: Wie ist das Verhältnis von Körper und Geist? Diese Frage wurde nicht von der Gender-Theorie erfunden. Auch die Irrlehrer der Gnosis zu neutestamentlichen Zeiten hatte eine genaue Vorstellungen vom „Leib-Seele Problem“. Nämlich dass der Leib nebensächlich sei – der Geist allein wichtig ist. Gar nicht so weit entfernt vom aktuellen Gender-Denken.
Wir denken manchmal, die Menschen des Altertums waren naiv und unaufgeklärt. Aber ist nicht häufig das Gegenteil der Fall: Wir heute sind sehr unaufgeklärt und naiv, weil wir die antiken Texte nicht mehr kennen? Wir wissen nicht mehr, was sie schon alles wussten.

Nicht im Mittelpunkt
Die „Jungfrauengeburt“ steht für Rink „am Rand, nicht im Mittelpunkt“ des Glaubens. Er schreibt: „Wir Christen und Christinnen glauben an Christus, nicht an ein Naturphänomen. Christusglaube entscheidet sich nicht an der ‚Jungfrauengeburt‘, sondern ausschließlich an Christus selbst.“
Aber ist Christus noch der „Christus“ – ein Hoheitstitel –, wenn er wie ein normaler Mensch geboren worden wäre? Wenn wir verstehen wollen, wer Jesus Christus war, gehört doch gerade das Übernatürliche zentral dazu. Dass er schon existierte, bevor er auf diese Erde kam (Joh 8,58). Dass er, weil er Teil der Gottheit war, auch auf übernatürliche Weise Mensch werden musste – durch eine ganz besondere Geburt.
Wenn Rink schreibt, dass es in der Beschreibung des Matthäusevangeliums „nicht um biologische Fakten geht, sondern um eine Glaubenserzählung“, dann konstruiert er hier einen falschen Gegensatz: Es geht um beides! Vielleicht steht die Jungfrauengeburt nicht im Mittelpunkt des Evangeliums. Dafür aber gewissermaßen am Anfang: Alles andere baut darauf auf.

Keine Randfrage
Ich glaube, dass die Sicht, die Rink in seinem Artikel darstellt, falsch ist. Die Frage nach der Geburt Christi ist keine Nebensächlichkeit, über die man als Christ ruhig unterschiedlich denken kann. Wer dies verneint, nimmt dem ganzen christlichen Glauben sein Fundament. Nämlich, dass Jesus Teil der Gottheit ist. Es geht hier nicht um eine Randfrage – es geht um die Göttlichkeit unseres Herrn. Das ist doch gerade das Besondere an Jesus Christus, dass er als Teilhaber der göttlichen Dreieinheit Mensch wurde. „Er wurde einer von uns – ein Mensch wie andere Menschen“ (Phil 2,7; NGÜ) – aber er war und bliebt dabei Gott!
Das ist doch das Entscheidende, dass in Jesus ein Mensch auf diese Welt kommt, der nicht aus einer natürlichen Blutlinie stammt. Wäre Jesus nicht übernatürlich gezeugt, dann wäre er nur ein Mensch – aus einer biologischen Abstammungslinie der Menschen.
Das Biologische ist wichtig, gerade weil es beim Wunder der Jungfrauengeburt durchbrochen wird. Gott sandte seinen Sohn in Raum und Zeit, „geboren von einer Frau“ (Gal 4,4). Gott schafft mit der Geburt Jesu auch biologische Tatsachen. Die Antwort des Engels auf Marias skeptische Rückfrage zeigt das auch: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird das Kind, das du zur Welt bringst, heilig sein und Sohn Gottes genannt werden“ (Lk 1,35; NeÜ). Jesus stammt nicht aus der Blutlinie von Josef, sonst wäre er ja nur ein Mensch.

Viel mehr als Biologie – aber auch nicht weniger
Natürlich ist das Kommen unseres Herrn auf diese Welt viel mehr als Biologie – aber es ist eben auch nicht weniger. Die Bedeutung des Kommens Jesu, seine Lehre, seine Leben – die ganze Christologie – all das hängt ganz an seinem übernatürlichen Eintritt in diese Welt. Wenn das biologisch-historisch nicht geschehen ist, dann kippt auch der ganze Überbau an Bedeutung. Wenn Jesus nur ein normaler Mensch war, dann war seine Lehre menschlich, vielleicht prophetisch – und sein Tod war der Tod eines Märtyrers. Wenn er nur Mensch gewesen wäre, könnte er uns nicht erlösen.
Man kann die Jungfrauengeburt nicht aufgeben und den Rest beibehalten. Wenn wir das nicht glauben, kippt der Ganze! Das Geistliche steht auf dem historisch-biologischen Geschehen.
Was wäre, wenn?
Was wäre, wenn die Jungfrauengeburt nicht stattgefunden hätte? Wer sie ablehnt, geht dann davon aus, dass Jesus der biologische Sohn von Josef ist. Dass er also durch den natürlichen Geschlechtsverkehr von Josef mit Maria gezeugt wurde.
Aber wer wäre Jesus dann? Ein normaler Mensch! Was ist seine Lehre? Eine geniale Religionsphilosophie, vielleicht. Was ist sein Leben? Das vorbildliche Leben eines besonderen Menschen. Was ist sein Tod? Der Märtyrertod eines hingegebenen Gläubigen, wie es viele vor und nach ihm gegeben hat.

Ein Mensch kann uns nicht erlösen
Aber kann der Tod eines noch so edlen Menschen uns erlösen? Das ist doch das Eigentliche am Opfer unseres Herrn, dass er „in Gestalt Gottes war ... Gott gleich“, und trotzdem ein Mensch wurde. „Er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst.“ Äußerlich (der Gestalt nach) war er wie ein Mensch und trotzdem war und blieb er Gott. Seine Erniedrigung beginn mit seiner Menschwerdung – mit seiner besonderen übernatürlichen Geburt – der Jungfrauengeburt. Darauf baut dann alles Weitere auf und gibt ihm Bedeutung: dass er „gehorsam (wurde) bis zum Tod ... am Kreuz.“ Streichen wir den übernatürlichen Eintritt unseres Herrn in unsere Welt, dann streichen wir auch alles weitere durch. Auch seine Erhöhung: Gott der Vater hat „ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters“ (Phil 2,6-11; ELB). Wäre Jesus nur ein Mensch – wie kann er dann solch eine Ehre bekommen, die doch nur Gott zusteht? Namen über allen Namen. Jedes Knie wird sich vor ihm beugen. Jesus ist der Kyrios – der Herrscher. Trotzdem geschieht dies alles „zur Ehre Gottes, des Vaters“ – nicht in Konkurrenz zu ihm.
Dass Jesus seine göttliche Natur auch als Mensch behielt, wird an vielen Stellen deutlich, besonders an den Reaktionen der Menschen. So wollte man ihn töten, weil er „Gott seinen eigenen Vater nannte und sich so selbst Gott gleich machte“ (Joh 5,18). Wenn er den Menschen ihre Sünden vergab, kam zwingend die Frage auf: „Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?“ (Lk 5,21). Sein Anspruch war ein göttlicher, auch als Mensch!

Wäre er nur ein Mensch ...
Wäre Jesus nur ein Mensch wie wir gewesen – wäre er aus der geschlechtlichen Vereinigung von Josef und Maria hervorgegangen –, käme er aus einer menschlichen Blutlinie. Dann könnte er uns nicht erlösen.
Und! Jedes Mal, wenn wir ihn anbeten und ihm danken, jedes Mal, wenn wir sein Mahl feiern und Brot und Wein unter uns teilen, würden wir gegen das 1. Gebot verstoßen und Götzendienst betreiben. Denn nur Gott allein darf angebetet werden. Jesus selbst bekräftigt dies: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen“ (Mt 4,10). Über uns Christen sagt Paulus: „Ihr dient dem Herrn Christus“ (Kol 3,24). Wäre Jesus Christus nicht Gott, wären wir Götzendiener.

Nun ist Jesus Christus aber Gott. Und nur deshalb kann er uns erlösen! Denken Sie daran, wenn Sie sich an diesem Weihnachtsfest an seine Geburt erinnern. Es war eine besondere, übernatürliche Geburt. Zu unserem Glück und Heil.

Ralf Kaemper

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