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Gottesliebe oder Weltliebe
Fatima und Gottes LiebeIn der Nacht zum 14. April 2014 kidnappten Boko-Haram-Terroristen 276

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PERSPEKTIVE Januar - Februar 2018
Thema:
Gottesliebe oder Weltliebe

Inhalt:


 

img/pp_grundlayout_07.jpgREZENSION

• Glaubwürdig aus guten Gründen 

img/pp_grundlayout_07.jpgAKTUELLES


img/pp_grundlayout_07.jpgDENKEN

• Was ist Liebe?
• Was ist Welt?
• Warm anziehen - weil es anders kommen wird
• Haben Adam und Eva wirklich gelebt? 
• Warum das Evangelium konkurrenzlos ist 

img/pp_grundlayout_07.jpgGLAUBEN

• Mehr als nur Sonntagsgefühle
• Und wenn ich Gott nicht liebe?
• Wo liebst du uns denn?
• Die Kunst, Gemeinschaft zu leben
• 

 img/pp_grundlayout_07.jpgGESELLSCHAFT

• 

img/pp_grundlayout_07.jpg LEBEN
• Fatima und Gottes Liebe
• Leitlinie Liebesleben

 

 


 

Fatima und Gottes Liebe

In der Nacht zum 14. April 2014 kidnappten Boko-Haram-Terroristen 276 Mädchen aus einem Internat in Chibok in Nigeria. Eines der 276 Mädchen war Fatima. Nach anderthalb Jahren gelang ihr die Flucht aus den Fängen ihrer Entführer.

Die heute 14-Jährige wurde wieder mit ihrer Familie vereinigt. Doch Fatima ist nicht mehr Fatima. Tagelang, so berichtet ihre Mutter Fatsuma, sitzt Fatima schweigend auf dem Boden. Die Erfahrungen, die sie in der Gefangenschaft gemacht hat, sind zu grauenvoll. Fatima wurde gezwungen, mitanzusehen, wie Boko-Haram-Kämpfer ihren Bruder vor ihren Augen erschossen. Als sie weinte, wurde sie bedroht. Seit diesem Tag hat niemand Fatima mehr weinen gesehen. Mitten in der Nacht, so erzählt die Mutter weiter, wacht Fatima plötzlich auf und schreit in die Dunkelheit. Die Geister von Boko Haram verfolgen sie auf Schritt und Tritt: Schläge, Hungerstrafen, Vergewaltigungen, Hinrichtungen, Selbstmordattentate und Zwangsübertritte zum Islam. Einmal befahlen Boko-Haram-Kämpfer Fatima und anderen entführten Teenagern, einen Jungen und ein Mädchen zu steinigen. „Ich wollte es nicht“, gab Fatima später zu Protokoll, „aber wenn wir die Steine nicht geworfen hätten, hätten sie uns getötet. Und jeder von uns, der weinte, wurde mit ihren Gewehren geschlagen.“

Fatimas Mutter ist verzweifelt: „Ich liebe meine Tochter und bin so froh, dass sie wieder da ist, aber ihr Herz ist verhärtet.“

Fatima ist nur eines von unzähligen Beispielen armer Menschenkinder, deren Herz mit den Brenneisen des Hasses und der Gewalt abgetötet wurden. Fatima ist nur eines von unzähligen Beispielen armer Menschenkinder, denen Liebe zu geben oder anzunehmen unmöglich geworden zu sein scheint. Im irdischen Vorhof der Hölle ist ihnen Liebe ein Fremdwort und eine leere Worthülse geworden.

Gott ist Liebe
Und doch gibt es Hoffnung für Fatima. Mitten aus dem Leid und der Dunkelheit der Liebesleere gewinnt ein simples Bibelwort Gestalt, geschrieben von einem Mann, der ebenfalls durch tiefes Leid gegangen ist, das ihm von den Menschen seiner Zeit angetan wurde. Ein Wort, das er allen Geschundenen, Verfolgten und Verachteten zuruft; allen, die glauben, von der Liebe abgeschnitten zu sein: „Gott ist Liebe“ (1Jo 4,8.16)(2)

Gebende Liebe
Ein wesentlicher Charakterzug dieser Liebe Gottes ist, dass sie gibt. Jesus fasst es im nächtlichen Gespräch mit Nikodemus wie folgt zusammen: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab“ (Joh 3,16). Mit Blick auf die Liebe Jesu schreibt Paulus genau dasselbe: „Wie auch Christus die Gemeinde geliebt und sich für sie hingegeben hat“ (Eph 5,25; vergl. auch Gal 2,20; 1Jo 4,9.10). Wahre, göttliche Liebe ist nicht auf sich fixiert, sondern sucht ihren Fluss nach außen, indem sie sich gibt und hingibt.

Dieser Gedanke deckt sich gänzlich mit der ersten Erwähnung des Begriffes der Liebe in der Bibel. Auch dort geht es um das Merkmal des Gebens in Verbindung mit der Liebe: „Und Gott sprach zu Abraham: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast … und opfere (gib) ihn als Brandopfer“ (1Mo 22,2). Eigentlich beschreibt hier Gott seine eigene Liebe, die 2000 Jahre später seinen Sohn als Opfer für die Sünden geben und damit Liebe in ihrer Vollkommenheit offenbaren wird.

Begrenztes Vokabular
Göttliche Liebe in der Eigenschaft des Gebens ist aber nur ein Wesensmerkmal dessen, was die Liebe Gottes insgesamt ausmacht. Sie ist weit mehr als nur Geben. Sie ist so viel mehr, dass wir – wie es William MacDonald schreibt – „dafür einen erweiterten und verbesserten Wortschatz bräuchten, (denn) unser gegenwärtiges Vokabular reicht nicht aus, um die Liebe Gottes zu erklären. Wir haben einfach nicht genug Eigenschaftswörter. … Unsere Sprache ist zu arm.“

Ewige Liebe
Ungeachtet der Richtigkeit der Worte MacDonalds sollen aber dennoch wenigstens einige der vielen Eigenschaften der Liebe Gottes – trotz aller mangelnden Sprachausdrucksmöglichkeiten – kurz genannt sein.

Gottes Liebe ist ewig, sie „vergeht nimmer“ (1Kor 13,8). Sie war immer, sie ist immer und sie wird immer sein. Ganz im Gegensatz zur menschlichen Liebe, die wankelmütig und tagesformabhängig ist. So wie Gott unwandelbar und ewig ist, ist seine Liebe unwandelbar und ewig: „Ja, mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt“ (Jer 31,3; vergl. auch Joh 13,1).

Unauslöschliche Liebe
Gottes Liebe kann nichts und niemand aus ihrer Liebesbahn werfen. Sie ist beständig und unauslöschlich, wiederum ganz im Gegensatz zur menschlichen Liebe, die ersterben und verlöschen kann. Einst liebte Fatima, hatte Vertrauen und Zutrauen, jetzt sind ihr Herz und ihre Liebe aus ihrem Leib und Leben heraus vergewaltigt worden. Doch ganz gleich, wie gewaltig die Stürme des Leids sind, die unsere Liebe mit sich fortreißen, Gottes Liebe für uns brennt ungebrochen weiter. „Ihre Gluten sind Feuergluten … Große Wasser vermögen nicht die Liebe (Gottes) auszulöschen und Ströme überfluten sie nicht“ (Hl 8,6.7).

Grundlose Liebe
Gottes Liebe liebt uns ohne Grund und Anlass. Sie ist, nach Gerd Goldmann, „ein Zug des Wesens Gottes. … Er kann gar nicht anders als lieben. … Da sie zu seinem Wesen gehört, … ist sie nicht an Bedingungen gebunden.“  So wie es Gott mit Blick auf sein irdisches Volk sagt: „Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völker, hat der HERR sich euch zugeneigt …, denn ihr seid das Geringste unter allen Völkern; sondern wegen des HERRN Liebe zu euch“ (5Mo 7,7.8). Dave Hunt ergänzt: „Es ist beruhigend, zu wissen, dass Gott uns liebt … – unabhängig davon, wer und wie wir sind.“  An uns war nichts Liebenswertes. Im Gegenteil. Wir standen in Opposition und Ablehnung zu Gott. Wir waren Sünder und seine Feinde. Wir wollten ihn gar nicht. Aber schon, als wir „noch Sünder … und Feinde waren“, wollte seine Liebe uns (Röm 5,8.10).
 
Persönliche Liebe
Knapp 7,5 Milliarden Menschen leben auf dieser Welt. Ich habe oft Mühe, mir die Namen aller Schülerinnen und Schüler meiner verschiedenen Klassen zu merken, noch viel mehr zu allen eine tiefgehende, dauerhafte und von Liebe geprägte Beziehung zu entwickeln. Bei Gott sieht das anders aus. Seine Liebeszusagen sind nicht pauschal oder selektiv, sondern individuell und persönlich. „Du bist teuer und wertvoll in meinen Augen, und ich habe dich lieb“ (Jes 43,4). Es könnten noch ein paar Milliarden mehr Menschen sein. Auch sie würde Gott ganz persönlich in seine Liebe hüllen. So groß ist Gott, dass er nebenbei sogar noch die massenhaften und als wertlos geltenden Spatzen allesamt persönlich im Blick hat (Lk 12,6).

In Steven Spielbergs 2001 in die Kinos gekommenem Science-Fiction-Spielfilm „A. I. – Artifical Intelligence“ („Künstliche Intelligenz“) gelingt einer Firma, die Roboter herstellt, der große Durchbruch, als sie Androiden fertigt, die nicht nur Arbeitsmaschinen sind, sondern auch lebenslang Liebe geben und empfangen können. Die Liebes-Grundaussage des Films reflektiert den uralten Wunsch eines jeden Menschen nach persönlicher Zuwendung und Liebe, denn „ohne Liebe sind wir nichts“ (1Kor 13,2), allenfalls monoton und gefühllos agierende Roboter. (5)

Väterliche und mütterliche Liebe
Gottes Liebe ist wie die Liebe der Eltern. Sie ist von einer unerschütterlich tiefen Zuneigung getragen. Wobei bemerkt sein muss, dass die väterliche Liebe Gottes nur denen gelten kann, die auch zur Familie Gottes gehören. Kind wird man ausschließlich durch Geburt. Nur wer die Neugeburt in Jesus Christus erfahren hat, steht in der väterlichen Liebe Gottes. „Sehet, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen“ (1Jo 3,1).

Diese Liebe geht so weit, dass sie nicht aufgibt, selbst wenn das Kind sich entfernt hat und von Vater und Mutter nichts mehr wissen will. Sie geht dem verlorenen Sohn nach, sie geht der verlorenen Tochter nach und trägt sie auf den Schultern der Liebe nach Hause. „Auf den Armen werdet ihr getragen und auf den Knien liebkost werden. Wie einen, den seine Mutter tröstet, also werde ich euch trösten“ (Jes 66,12.13).

Todes-Liebe
„Da hört die Liebe auf“, sagen wir manchmal, wenn wir denken, der Einsatz wird zu hoch und zu kostenintensiv. Nicht so die Liebe Gottes. Das Geben der Liebe schließt auch das Geben des Lebens ein. „Größere Liebe hat niemand als diese, dass jemand sein Leben lässt (einsetzt) für seine Freunde“ (Joh 15,13). Man kann wohl mit Fug und Recht sagen, dass sich Gott auf Golgatha „zu Tode geliebt“ hat. „Gott aber erweist seine Liebe gegen uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist“ (Römer 5,8).

Ausgegossene Liebe
Wer diese Liebe am Kreuz für sich persönlich in Anspruch nimmt, erlebt, dass das Vergängliche und das Wankelmütige seiner eigenen und fehlbaren Liebe ersetzt wird durch Gottes Liebe. Den Gläubigen ist „die Liebe Gottes … ausgegossen in ihre Herzen durch den Heiligen Geist“ (Römer 5,5). Ausgegossen heißt vollständig, ohne etwas zurückzuhalten.

Der Heilige Geist will fortan Gottes Liebe im Leben der Kinder Gottes sichtbar werden lassen. Je mehr wir uns seiner Leitung überlassen, umso mehr wird Gottes Liebe aus unseren Herzen allen Fatimas dieser Welt zufließen und sie zur gleichen Quelle der Liebe führen wollen.

Aus sich selbst heraus ist der natürliche Mensch gar nicht zu einer wahren Liebe fähig. Erst „wenn Gottes Wesen und damit Gottes Liebe in uns ist, können wir … lieben“ (1Jo 4,7). Wobei, wie es Ralf Kaemper ausführt, „die Reihenfolge ganz entscheidend ist. Gottes Liebe steht am Anfang, ist die erste Liebe. Unsere Liebe ist die Antwort … Sie ist Folge … das Echo auf etwas, was Gott vorher getan hat: ‚Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat‘ (1Jo 4,7). Nur deshalb können wir lieben: weil wir von Gott geliebt sind.“ (6)

Leidende Liebe und Leid zulassende Liebe
Fraglos ist Gottes Wesen mehr als Liebe. Gott ist z. B. auch gerecht, und in seiner heiligen Gerechtigkeit muss er Sünde richten und strafen. Seine Liebe hebt seine Gerechtigkeit nicht auf, aber seine Liebe lässt ihn alle seine gerechten Forderungen stellvertretend in seinem leidenden Sohn als erfüllt ansehen.

Und manchmal beinhaltet Gottes Liebe auch das Zulassen von Not, weil vielleicht Leid der letzte Weg ist, um einen Menschen auf den Liebesweg nach Golgatha zu ziehen. Ebenso lässt göttliche Liebe mitunter auch im Leben eines Gläubigen Leid zu, um ihn wieder – wie den verlorenen Sohn – über die Tiefe der Schweinetröge zurück auf die Höhen des väterlichen Hauses zu holen, „denn wen der HERR liebt, den züchtigt er“ (Hebr 12,6). Paulus ergänzt, dass das Leid, egal wie groß es ist, uns nicht von der Liebe Gottes trennen kann: „Weder Tod noch Leben … weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges … vermag uns zu scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist (Röm 8,38.39).

Trefflich fasst Dieter Ziegeler diesen Umstand der nachgehenden und zurückholenden Liebe Gottes mit den Worten zusammen: „Darum offenbart und mobilisiert Gott seine göttliche und starke Liebe, um gestörte Beziehungen wieder in Ordnung zu bringen.“ Es ist die „leidende Liebe Gottes, die Menschen nicht verlieren will und sich bis zum Letzten für sie einsetzt.“ (7)

Gelebte Liebe Gottes
Die Menschen unserer Zeit, die Fatimas aus den Tiefen des Leids, brauchen die Liebe Gottes in Christus, damit ihr zerbrochenes Herz geheilt und ihr totes Herz zum Schlagen gebracht werden kann. Die wenigsten von ihnen werden zur Bibel greifen, um selbst über die Liebe Gottes zu lesen. Aber sie sehen uns, denen die Liebe Gottes ins Herz ausgegossen ist. Gottes Liebe in uns ist nicht zum Selbstzweck, sondern zur Weitergabe der göttlichen Liebe in dunkler Nacht. Auch hier fasst Dieter Ziegeler punktgenau zusammen: „Es gibt viele Menschen, gläubige und ungläubige, die sich … verirrt haben. Gerade ihnen wollen wir durch unser Leben erlebbare Liebe Gottes weitergeben!“ (7)

W. Ross Rainey berichtet von einer Krankenschwester in Missionsdiensten in Asien. Sie ölte und verband gerade die Wunden eines Leprakranken. Ein zufällig vorbeikommender amerikanischer Tourist machte davon Fotos und bemerkte beiläufig: „Selbst nicht für eine Million Dollar würde ich diesen Menschen anfassen.“ Die Krankenschwester sah auf und entgegnete: „Ich auch nicht, aber die Liebe des Christus drängt mich!“ (2Kor 5,14). (8) Wenn Christi Liebe die treibende Kraft unseres Lebens ist, wird sie den Menschen, die Gott uns über den Weg führt, seine Liebe hörbar und sichtbar werden lassen. Nur so können wir dann auch das Doppelgebot der Liebe erfüllen: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben … und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Mt 22,37-39).

Anbetungswürdige Liebe
Es reichen die Anschläge und Seiten nicht aus, um auszuführen, wie Gottes Liebe noch ist. Am Ende geht es gar nicht anders, als dass sie in die Anbetung führt, so wie es der große Liederschreiber Gerhard Tersteegen 1750 dichtete:

„Ich bete an die Macht der Liebe,
die sich in Jesu offenbart;
ich geb‘ mich hin dem freien Triebe,
mit dem ich Wurm geliebet ward;
ich will, anstatt an mich zu denken,
ins Meer der Liebe mich versenken.“

In dieses Meer der Liebe tauche ich anbetend ein und sehe nicht mehr mich, sondern nur noch den, der die Liebe im Sohn und in Person ist – Gott und Gott allein.

Martin von der Mühlen



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