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Gedenkfeiern zum 10. Jahrestag der Morde von Malatya
Am 18. April jährte sich zum zehnten Mal der Mord an den drei Christen Necati Aydin, Tilmann Geske und Ugur Yüksel im osttürkischen Malatya.
Die fünf jungen Täter hatten sich über mehrere Wochen immer wieder mit den Christen zum gemeinsamen Bibelstudium in den Räumen des Zirve-Verlages in Malatya getroffen. Am 18.04.2007 wurden die Opfer gefesselt und mit Messern brutal ermordet. Die Täter wurden noch auf frischer Tat von der Polizei verhaftet. Der Prozess zog sich aber über viele Jahre hin und ging erst am 28.09.2016 in erster Instanz mit der Verhängung von drei Mal lebenslänglicher Haftstrafe für jeden der fünf Täter zu Ende. Die Täter blieben zunächst, wie schon in den letzten Jahren, mit elektronischen Fußfesseln versehen auf freiem Fuß. Nach starker Kritik durch die Vertreter der Opfer sowie Einspruch der Staatsanwaltschaft wurden die fünf Haupttäter dann doch am 30.09.2016 in Haft genommen.
Aus Anlass des zehnten Jahrestages fand in Istanbul am 17. April, dem Vorabend, ein zentraler Gedenkgottesdienst statt. Am 18. April gab es dann wie in den Jahren zuvor Gedenkveranstaltungen in Malatya und Izmir.

Gedenkgottesdienst in Istanbul
„Heute erinnern wir uns an eines der wichtigsten Ereignisse der Republik, die Ermordung der drei Geschwister. Wir wissen, dass die Gemeinde Christi auf dem Blut der Heiligen erbaut wird.“ Mit diesen Worten eröffnete Behnan Konutgan den Gedenkgottesdienst, der in der armenisch-protestantischen Kirche in Beyoglu / Istanbul stattfand.
Susanne Geske schaute auf die zehn Jahre zurück, seit ihr Mann Tilmann ermordet wurde. Die Zeit sei so schnell vergangen, aber der Schmerz sei immer noch derselbe. Manchmal denke sie darüber nach, wie es wäre, wenn er seine Kinder hätte heranwachsen sehen. Sie drückte ihre Dankbarkeit darüber aus, dass ihr und der Familie vom ersten Tag an so viele, auch unbekannte Christen zur Seite gestanden hätten. „Wir im Osten haben kaum realisiert, wie groß die Familie der Christen in der Türkei doch ist.“ Besonders die Gemeinden in Diyarbakir und Ankara hätten sowohl ihrer Familie als auch der kleinen Gemeinde in Malatya sehr stark geholfen. Besonders dankte sie für die vielen Gebete. Ihre jüngste Tochter Mirjam habe einmal gefragt: „Beten die Leute für uns?“ „Ja“, habe sie geantwortet. „Ich spüre das. Wir sind getragen durch Gebet“, sei die Reaktion ihrer Tochter gewesen.
In Bezug auf die Situation der Christen in Malatya habe es direkt nach den Morden so ausgesehen, als ob alles zerstört wäre, „aber Gott hat Frucht daraus entstehen lassen“, so Geske wörtlich.
Pastor Konutgan bestätigte, dass die Treue von Susanne Geske und ihr öffentliches Zeugnis Gott in den letzten zehn Jahren viel Ehre gebracht habe. Susannes Worte, dass sie den Verbrechern vergebe, die in vielen Zeitungen zu lesen und im Fernsehen vielfach zu sehen waren, hätten „mehr Auswirkungen gehabt als hundert Missionare“, so Konutgan.
Refik Topçu, ein Mitarbeiter des Zirve-Verlages, bezeichnete die Morde von Malatya als grundlegenden Einschnitt in der noch jungen Geschichte der evangelischen Christen in der Türkei. Im Grunde gäbe es eine Zeit vor und eine Zeit nach Malatya. Das Massaker habe in vielen Bereichen Spuren hinterlassen, so im Glauben der Christen in der Türkei. Es habe aber auch die Geduld und das Vertrauen in Recht und Freiheit auf eine große Probe gestellt, habe man doch 115 Verhandlungstage und neuneinhalb Jahre warten müssen, bis ein Urteil in erster Instanz gefällt worden sei. Sowohl die Anwälte als auch die Hinterbliebenen und die sie unterstützenden Gemeinden hätten aber keine Erwartungen mehr, dass der Prozess zeitnah zu einem gerechten Ende komme. Der Richter hatte im September 2016 bei der Urteilsverkündigung nicht zuletzt darauf hingewiesen, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, dass es Hintermänner und gegebenenfalls eine Organisation gegeben habe, die man leider nicht gefunden habe.
Christen in der Türkei
Neben den protestantischen Christen gibt es in der Türkei alles in allem etwa 120.000 Christen, wobei die Mehrheit der Armenisch-orthodoxen Kirche angehört. Damit stellen alle Christen ungefähr 0,15 Prozent der Bevölkerung.


Aus: Bonner Querschnitte
23. April 2017

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