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Lügen über Gott...
Wie gehen wir damit um?

Viele Christen haben den Film „Die Hütte“ gesehen. Das zugrundeliegende Buch hat Millionen von Leser begeistert. Geschrieben von einem Mann, der in seiner Kindheit und Jugend tiefe Enttäuschungen im geistlichen Bereich erlebt hat. Geschrieben hat er, um seinen Kindern „von dem Gott (zu) erzählen, der tatsächlich auftauchte, um mein gebrochenes Herz zu heilen – nicht von dem ‚Gott‘, mit dem ich in meinem modernen evangelikalen christlichen Fundamentalismus aufwuchs“.

Ich habe Geschwister getroffen, denen das Buch besonders in Nöten von Verletzungen und Hass geholfen hat. Young zeigt Gott als liebevollen, gütigen und geduldigen Vater. Balsam für die, die Gott bisher nur als strafenden, unnahbaren Richter präsentiert bekommen haben. Doch sowohl Buch als auch Film rufen sehr unterschiedliche Reaktionen hervor: Trost und Empörung, Dankbarkeit und Unverständnis. Viele Fragen werden aufgeworfen: Wird hier nicht ein verzerrtes Bild von Gott vermittelt? Wird nicht Liebe gegen Gehorsam ausspielt, Beziehung gegen Gebote? Und hat Gott wirklich gesagt, dass jeder Mensch zu ihm gehört – auch ohne persönlichen Glauben und Umkehr?

Offene Karten: Seit März 2017 hat das Rätselraten ein Ende: Paul Young hat in „Lies we believe about God“ Klartext geschrieben. Im September erschien die deutsche Ausgabe: „Lügen, die wir uns über Gott erzählen“. Auch wenn er sich immer noch vor allzu großer Klarheit scheut, macht er einige sehr unmissverständliche Aussagen. Wie auch in der „Hütte“ gibt es viel Nachdenkenswertes. Allerdings schreibt er auch Dinge, die wichtigen, manchmal sogar grundlegenden Wahrheiten der Heiligen Schrift widersprechen.

Nicht schlecht, sondern unwissend: „Gott ist gut – und ich bin es nicht“ sei eine gewaltige Lüge. Der Autor erzählt, dass er jahrelang das Gefühl hatte, nichts wert, nicht gut zu sein. Dieser Gedanke sei in den konservativen Gemeindekreisen, in denen er aufwuchs, in Predigten und Liedern bestärkt worden. Heute hat er die Überzeugung: Wir sind zwar verkrüppelt, aber wir haben keinen schlechten Kern. Wir sind unwissend und blind, aber nicht verdorben.

Was ist aber dann das Evangelium? Nicht eine Möglichkeit der Rettung, eine Einladung zum Frieden mit Gott. Evangelium sei, dass Jesus uns bereits in sein Leben eingeschlossen hat. In seine Beziehung zu Gott dem Vater und dem Heiligen Geist. Ganz ohne unsere Zustimmung, ob wir das glauben oder nicht. Wir sind bereits gerettet, auch wenn wir es noch nicht wissen. Denn Rettung ist für Young universal. Diese Lehre der Allversöhnung ist für den Autor kein Nebengedanke, sondern zentraler Inhalt, den er in seinen Büchern mit Entschiedenheit verbreitet.

Jeder ist ein Kind Gottes: Hölle ist „nicht die Trennung von Jesus, sondern der Schmerz, unserer Rettung in Jesus zu widerstehen und trotzdem nicht in der Lage zu sein, Ihm zu entkommen, der wahre Liebe ist“. Dass wir mit unserem Tod unsere Fähigkeit zu wählen verlören, bezeichnet Young als „signifikante Lüge, die aufgedeckt werden muss“. Tod sei eine Krise, ein „wiederherstellender Prozess, mit der Absicht uns zu befreien, in die Arme der Liebe zu laufen“. Jeder Mensch ist für Young ein Kind Gottes, das niemals von ihm getrennt war. „Trennung“ sei eine Lüge, denn nichts könne uns von Gottes Liebe trennen.

Verzerrungen: Zu diesen eindeutig unbiblischen Überzeugungen, die Young in seinen Büchern transportiert, kommt seine verzerrende Vorgehensweise. Manchmal begründet er mit der Schrift. Aber oft zeichnet er auch ein Zerrbild, um seine gegenteilige Auffassung zu untermauern. So spielt er den Wunsch Gottes nach einer liebevollen Beziehung zu uns aus gegen Gottes Heiligkeit.
An anderen Stellen zieht er biblische Grundaussage in Zweifel, indem er sie mit einer Vielzahl von Fragen relativiert. Liebe ist für ihn der alles definierende Faktor, dem sich alle anderen Aussagen der Heiligen Schrift unterzuordnen haben. So darf die Bibel nicht mehr meinen, was sie sagt.

Falsche Lehren über Gott: Paul Young ist ein unabhängiger Denker mit einem Herzen für verletzte, Trost suchende Menschen. Das kann sehr hilfreich sein. Angesichts der aufrichtigen Suche des Autors, ein Leben mit Gott zu führen, und angesichts etlicher Geschwister, die sein Buch als Segen und geistliche Ermutigung erlebt haben, macht es mich traurig, dennoch feststellen zu müssen, dass Young in seinen Büchern bewusst und aktiv Irrlehren verbreitet. Irrlehren sind Verstöße gegen grundlegende Aussagen der Heiligen Schrift, falsche Lehren über Gott und den Menschen.
Wer seine Gedanken unkritisch übernimmt, wird in wesentlichen Punkten unbiblisch denken, ungesund leben und möglicherweise sich selber oder andere in die Gottesferne manövrieren, die es für Young ja gar nicht gibt.
Und was die starken Seiten seiner Bücher angeht: Wollen wir uns von jemandem, der bei den Grundlagen des Heils ganz anders denkt, als die Bibel uns lehrt, in anderen Bereichen christlichen Lebens oder christlicher Lehre prägen lassen?

Selbstkritik: Aber wir sollten uns auch selbstkritisch hinterfragen. Wieso gibt es heute solch einen großen Resonanzboden für eine gefühlvoll-gefährliche Mischung aus Wahrheit, Hoffnung und Lüge? Gibt es vielleicht auch heute bei uns noch zu viele christliche Kreise, wo zwar die Gnade zur Errettung verkündet wird, aber das Leben in der Gemeinde anschließend recht gnadenlos vonstattengeht? Wo zwar von Liebe und Vergebung geredet wird, aber man Fehler besser nicht zugibt? Wo Grüppchenbildung (Ausgrenzung) oder Sünden wie Unfreundlichkeit, Lieblosigkeit, Hartherzigkeit toleriert werden? Hier legt Young zu Recht den Finger in die Wunde!

Ein ausgewogenes Gottesbild: Verantwortliche in der Gemeinde sollen „auf die Herde achten“. Das bedeutet auch, den Geschwistern in Lehre und Leben ein Gottesbild „vor Augen zu malen“, das so ausgewogen wie möglich all das beinhaltet, was Gott uns über sich selber offenbart. Seine Allmacht und Gerechtigkeit – aber ebenso auch seine Liebe und Gnade. Geistliche Leiter werden nicht immer verhindern können, dass einzelne Geschwister eigenwillige Wege gehen. Aber sie können in der Gemeinde eine Atmosphäre fördern, in der aufrichtig nach Gott dürstende Geschwister Heilung finden und eine gesunde, liebevolle und gehorsame Beziehung zu Ihm leben können – in Liebe UND Wahrheit!

Marco Vedder

01.11.2017

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